Pubdate: 23.07.07

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Heroin-Fälle auch in Potsdam


Aktion für heroingestützte Behandlung / 2006 neun Drogentote in Brandenburg


Von Jana Haase


Innenstadt – Kontrollierte Heroinabgabe zur Behandlung von Heroinabhängigen: Dafür warben am Samstag Mittag Mitglieder des Chill Out e.V. und der Aids-Hilfe Potsdam auf dem Platz der Einheit. Anlass war der bundesweit neunte nationale Gedenktag für verstorbene Drogenkonsumenten. Die Aktion war Teil einer bundesweiten Unterschriftensammlung der Deutschen Aidshilfe. Mit insgesamt 30 000 Postkarten soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dazu aufgefordert werden, eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes zu fördern und die Heroin-Therapie zu ermöglichen.


Kann man überhaupt von „Substitution“ sprechen, wenn als „Ersatz“ Heroin verabreicht wird? Ja, findet Annett Bauer, seit zwei Monaten die neue Vorsitzende des Chill Out e.V., der sich für akzeptierende Drogenarbeit einsetzt. Denn auch wenn die Droge bei der heroingestützten Behandlung nicht ersetzt wird, ändere sich das Umfeld. Bauer: „Die Szene wird substituiert.“ Grundlage ihrer Argumentation ist das 2006 abgeschlossene Bundesmodellprojekt zur heroingestützten Behandlung (siehe Kasten). Demnach gehe nicht nur die Beschaffungskriminalität bei Heroin-Patienten zurück: Sie zeigten auch eine höhere Bereitschaft, in die Abstinenztherapie zu wechseln.


Etwa 140 Potsdamer konnten Chill out und die Aidshilfe am Samstag zu einer Unterschrift für ihre Sache bewegen: „Aus meiner Sicht ist es gut gelaufen“, resümierte Bauer. Die Aidshilfe hat die Aktion initiiert, weil Heroingebrauch auch das Infektionsrisiko mit HIV erhöht: Zwischen sechs und sieben Prozent der HIV-Neuansteckungen werden auf den Gebrauch illegaler Drogen zurückgeführt, erklärte Dirk Schäffer, Referent für Drogen und Strafvollzug bei der Deutschen Aidshilfe, am Samstag in Potsdam.


Über die Heroin-Szene in Potsdam gibt es unterdessen allerdings kaum Informationen: Unklar sei zum Beispiel, ob unter den neun Drogentoten im Land Brandenburg 2006 auch Potsdamer waren. „Es gibt keine Erfassung für Potsdam direkt“, so Bauer. Sie gehe aber auch davon aus, dass durch die Berlinnähe „die Zahlen verschwimmen“. Immerhin 173 Drogentote gab es 2006 in der Bundeshauptstadt, wie im aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung zu lesen ist.


Die Suchtpräventionsfachstelle des Chill Out e.V. stehe als Anlaufpunkt zur Verfügung, betonte Bauer. Sie wisse bisher nur von einem Fall in Potsdam, in dem von einem Heroinabhängigen der Kontakt aufgenommen worden sei. Auch Dieter Hermann von der Potsdamer Aidshilfe kennt einen Fall, in dem eine Substitutionsbehandlung in Potsdam erfolgreich verlief. Die Drogenbeauftragte rechnet bundesweit mit 175 000 Menschen, die von illegalen Drogen (ohne Cannabis) abhängig sind. 64 500 befanden sich 2006 in einer – meldepflichtigen – Substitutionsbehandlung mit Methadon. Mit 33 liegt die Zahl der Substitutionspatienten in Brandenburg bundesweit am niedrigsten – dafür sind es in Berlin mehr als 4000.


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Pubdate: 23.07.07

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Drogensucht: Elterninitiative gedenkt der Opfer


AHRENSBURG -


Ein weißer Läufer führt hin zu einem Gesteck aus weißen Hortensienblüten. Darauf, welch ein Kontrast, liegen schwarze Kreuze verstreut. Kreuze, die an unzählige Drogentote erinnern. Jedes Jahr am 21. Juli gedenken ihrer die Mitglieder der Eltern- und Angehörigeninitiative akzeptierende Drogenarbeit (Elan). Kreuze, die auch mahnen sollen. Denn die Eltern und Angehörigen nutzen den Gedenktag Jahr für Jahr, um ihrer Forderung nach einem radikalen Kurswechsel in der Drogenpolitik Nachdruck zu verleihen.


"Wir sind der Meinung, dass die kontrollierte Abgabe von Heroin an Süchtige der richtige Weg ist", sagt der Elan-Vorsitzende Fritz Lucke (66) aus Ahrensburg. Er fordert deshalb die Fortsetzung eines entsprechenden Modellprojekts. "Die Menschen, die so behandelt werden, sind wieder ansprechbar, lassen sich in ihre Familien integrieren, leben nicht auf der Straße, arbeiten vielleicht sogar und sind vor allem unter ärztlicher Aufsicht", sagt Lucke. "Stattdessen müssen sich die Süchtigen mit obskuren Spritzen einen Schuss auf der Straße setzen und infizieren sich dabei nicht selten mit Hepatitis C oder HIV. Das kommt die Krankenkassen dann richtig teuer zu stehen."


Ebenso fordert Lucke eine kontrollierte Cannabis-Freigabe zu staatlich regulierten Preisen - und mit entsprechender Aufklärung. "Wer konsumieren will, tut das. Oft ist der Stoff schlecht, und die Betroffenen leiden unter Umständen an vermeidbaren Spätfolgen", erklärt er die Intention. "Wir wollen nicht, dass ganz Deutschland verhascht ist."


Akzeptierende Drogenarbeit, dass heißt für Elan vor allem auch: den betroffenen Menschen akzeptieren. "Man kann nicht sagen: Geh mir aus den Augen Junge", sagt Lucke, der dafür wirbt, niemanden auszugrenzen.

sul


erschienen am 23. Juli 2007


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Pubdate: 23.07.07

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Der Mensch hinter der Statistik


Gedenkaktion mit weißen Rosen für verstorbene Drogenabhängige auf dem Gutenbergplatz


Von Martin Recktenwald



Hinter der Statistik der Drogentoten stehen Menschen und ihr individuelles Schicksal. Um daran zu erinnern, verteilten Mitarbeiter des Drogenhilfezentrums "Café Balance" am Wochenende auf dem Gutenbergplatz weiße Rosen an die Passanten.


Bundesweit fanden am 21. Juli zum neunten "Nationalen Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige" solche Aktionen statt. Laut polizeilicher Kriminalstatistik starben im letzten Jahr 1296 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums. Gegenüber 2005 mit 1326 Toten ist dies ein leichter Rückgang. In Rheinland-Pfalz wurden allerdings mit 77 Verstorbenen 23 mehr als im Vorjahr gezählt. "Dass wir in unserem Land vergleichsweise wenige Hilfsangebote für Süchtige haben, könnte dazu beigetragen haben", kritisierte Claus Bärmann, Jugendsozialarbeiter und Verhaltenstherapeut beim Fachbereich Suchthilfe der Stadt Mainz. Der Fachbereich ist Träger des Café Balance.


Hauptursache für die Tode sind nach Bärmanns Meinung die unwägbaren Beimischungen in den Drogen. Diese könnten Krankheiten auslösen oder zur falschen Einschätzung der Drogenwirkung und damit zu tödlichen Überdosen führen. "Das in Mainz auf der Straße verkaufte Heroin besteht meist nur zu 10 Prozent aus dem Suchtmittel selbst - der Rest wird von den Dealern gestreckt", erläuterte der Sozialarbeiter. Besonders häufig erkrankten in letzter Zeit Süchtige an Hepatitis C.


Manchen könne durch Angebote mit Ersatzstoffen wie Methadon geholfen werden, diese Probleme und die Beschaffungskriminalität zu umgehen. "Doch wir sollten auch die unterstützen, die auf die Substitution nicht ansprechen", äußerte sich Bärmann. Aus diesem Grund befürworte man die kontrollierte Abgabe von Heroin, wie sie in den letzten Jahren erfolgreich in einigen Großstädten getestet wurde. "Unter anderem in Frankfurt hat man damit gute Erfahrungen gemacht", zeigte er sich überzeugt.


Beratungs- und Ausstiegsangebote seien natürlich mit solchen Projekten zu koppeln. "Ein einfaches Entweder-Oder hilft aber bei Suchtkranken nicht weiter", so sein Fazit. Derzeit untersuche die Bundesregierung, ob Heroin wieder als verschreibungsfähiges Medikament zugelassen werden soll - in den sechziger Jahren hatte man den Stoff aus der Liste gestrichen. Eine solche Zulassung wäre Vorraussetzung für die Abgabe unter ärztlicher Kontrolle.


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Pubdate: 23.07.07

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Drogentote: Rosen erinnern, Grabkreuz soll aufrütteln

Gottesdienst in der Jakobikirche zum bundesweiten Gedenktag – Nicht ausgrenzen

Von Marc Halupczok


PEINE. Unter der Schirmherrschaft der Diakonie wurde am Samstagmorgen in der Jakobikirche in Peine der 9. bundesweite Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher begangen. Manche Bürger zeigten sich davon etwas irritiert.


Vor dem Eingang der Kirche ist ein Grabkreuz aufgestellt, in dem Spritzen stecken. Ein zugegeben hartes Symbol, aber es erfüllt seinen Zweck.


Die Menschen sollen aufgerüttelt werden. Auch in Peine, wo es 2006 "nur" einen offiziellen Drogentoten gegeben hat, 2007 verzeichnet die Statistik bisher ebenfalls ein Opfer. Trotzdem sind Thomas Tschirner (psychosozialer Betreuer für Opiutkonsumenten der Diakonie) und sein Team der festen Überzeugung, auch hier etwas zur Aufklärung beitragen zu müssen. "Der Gedenktag findet bundesweit zum neunten Mal statt, in Peine wird erst seit letztem Jahr mitgemacht. In Großstädten ist das Problem natürlich auffälliger, aber auch in Peine müssen die Menschen informiert werden. Selbst wenn das Interesse leider sehr gering ist."


Gemeinsam mit dem Kirchenkreis, der Lehrter Band Donkey Bridge (plus Andreas Duve aus Peine) und der Selbsthilfegruppe Jes (Junkies, Ehemalige und Substituierte) macht Tschirner Front gegen Vorurteile, die vielen Süchtigen entgegengebracht werden. "Das vermeintlich asoziale Verhalten vieler Abhängiger hat seinen Ursprung nicht in der Droge, sondern in der Abgrenzung durch die Gesellschaft. Wenn man zehn Jahre lang so behandelt wird, reagiert man irgendwann entsprechend. Wir wollen weniger Abgrenzung und damit einhergehend weniger Verelendung."


Dementsprechend weicht Tschirner in seiner Rede in der Jakobikirche auch vom offiziellen Motto des Gedenktages ("Erhaltung der Heroinsubstitution") ab und spricht sich für eine Auseinandersetzung mit der Sucht aus.


Nach dem Gottesdienst verteilen die Mitarbeiter in der Fußgängerzone weiße Rosen und Flugblätter. Hier wird schnell klar, was Tschirner meint. Manche sind interessiert, einige wehren ab, und nicht selten hört man den Satz: "Die sind doch alle selber schuld."


Dazu Tschirner: "Die Leute müssen begreifen, dass Drogenabhängige auch Menschen sind, die halt ein besonderes Problem haben. Aber dieses Problem kann man beheben. Leider grenzen wir immer mehr aus, anstatt die Ursachen zu bekämpfen."


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Pubdate: 23.07.07

Source: Kölnische Rundschau

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Gedenktag für Kölner Drogentote

ERSTELLT 23.07.07, 07:21h


69 Drogenabhängige sind vergangenes Jahr in Köln gestorben. Am Samstag gedachte das Selbsthilfe-Netzwerk JES (Junkies, Ehemalige, Substituierte) der Opfer. Mit Info-Ständen und Bands auf dem Pastor-Könn-Platz zogen die Mitglieder so die Aufmerksamkeit der Passanten auf ihre Forderungen, wie man die Lebensbedingungen für Süchtige verbessern könnte. Die bundesweite Organisation akzeptiert den Drogenkonsum ihrer Hilfesuchenden.


„Es sind mehr Ordnungskräfte unterwegs, die die Junkies von ihren Treffpunkten vertreiben“, sagt JES-Vorstand Marko Jesse. „Das führt nur dazu, dass sie sich in ihre privaten Räume zurückziehen.“ Sinnvoller sei es, mehr Streetworker einzusetzen, die sie über Drogenhilfsangebote informieren. „Sie könnten sie zum Beispiel an den sicheren Umgang mit Spritzen und Nadeln heranführen. So könnten Infektionen mit HIV oder Hepatitis C vermieden werden.“ Darüber hinaus sieht Jesse einen Mangel an psychosozialer Betreuung: Es fehlen etwa 1500 Plätze dieser Art in Köln.“


Auch die Situation von inhaftierten Abhängigen sei problematisch. Zwar werden auch ins Gefängnis Drogen geschleust, aber die Gefahr für die Gefangenen ist ungleich größer: „Häufig müssen sie bis zu drei Jahre lang dieselbe Spritze verwenden.“ (nah)


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Pubdate: 20.07.07

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Emmerich

Drogen: Drei Tote durch Folgekrankheiten


(RP) Drei Menschen sind in Emmerich in diesem Jahr an Folgeerkrankungen ihrer Heroinabhängigkeit gestorben. Das hat der Elternkreis „Drogeninitiative Emmerich“ gestern mitgeteilt. Anlass ist der bundesweite „Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige“. Am kommenden Samstag, 21. Juli, will der Elternkreis an die Verstorbenen erinnern. Die Aktion beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der Martinikirche. An der Kirche steht danach ab 10.30 Uhr ein Stand, an dem sich Interessierte über das Drogenproblem in Emmerich informieren können.


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Pubdate: 20.07.07

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Chill Out und Aids-Hilfe fordern heroingestützte Therapie


Mit einer Unterschriften-Aktion wollen sich die Vereine Chill Out und Aids-Hilfe am morgigen Samstag ab 11 Uhr auf dem Luisenplatz für eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes einsetzen. Wie beide Vereine in einer Erklärung mitteilten, müsse das Bundesgesetz geändert werden, damit Heroin für die Regelbehandlung von Opiatkonsumenten zugelassen werden könne. In der Erklärung wird darauf verwiesen, dass das seit Monaten abgeschlossene Bundesmodellprojekt zur heroingestützten Behandlung „eindeutig nachgewiesen“ habe, „dass für langjährig Abhängige diese Behandlungsform der Behandlung mit Methadon weit überlegen“ sei. Trotz überwältigender Übereinstimmung von Wissenschaft, Fachverbänden und des deutschen Städtetags verweigerten sich die Regierungsfraktionen des Bundestages einer Gesetzesänderung. Laut offiziellen Zahlen seien in Potsdam und Brandenburg nur wenige Drogentote zu beklagen. Doch Brandenburger Drogenbenutzer würden nach Berlin und in andere Städte ausweichen, weil hier keine adäquaten Angebote zur Verfügung stünden. Bei der Veranstaltung am Samstag stehen Vertreter beider Vereine für Anfragen zur Verfügung. PNN


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Artikel der Bonner Rundschau

 

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