08.09.2008
Die Enttäuschung ist den Gesichtern der Veranstalter anzusehen: Zum ersten Benefiz-Konzert der Peiner Drogenselbsthilfegruppe JES kamen viel weniger Besucher als erwartet.
Warum das so ist, kann sich keiner genau erklären. Denn auch in der Fuhsestadt sind Drogenprobleme aktuell, wie Betroffene und Fachleute während der Veranstaltung gegen "Ausgrenzung und Stigmatisierung" der Drogenverbraucher schildern. Dennoch: Die Gäste im Melodie-Event-Center in der Südstadt bleiben auch am späten Abend aus. Insgesamt kommen gerade 50 Gäste.
"Vielleicht liegt es daran, dass viele Schwellenangst haben", meint der Drogenberater der Peiner Diakonie und Hauptorganisator Thomas Tschirner. "Wenn sie hier auftauchen und gesehen werden, fürchten sie, gleich gebrandmarkt zu werden, als ob sie selbst zu den Drogenkonsumenten gehören. Da bleiben viele weg – verständlich."
Obwohl dieses zu befürchten war, hat Tschirner mit acht Helfern der Peiner Selbsthilfegruppe JES – Abkürzung für Junkies-Ehemalige-Substituierte – den Versuch dieser großen Veranstaltung gewagt: Fünf Bands aus der Region treten kostenlos auf: Donkey Bridge aus Lehrte mit Soul & Folk Rock, Boogie Slam aus Ilsede mit Rock’n Roll & Boogie Woogie, The Woodbrothers aus Lehrte mit Rock, Lady Die aus Braunschweig mit Indian Rock und Pirates of the Baggersee aus Vechelde mit Melodie Punk.
Außerdem gibt es Info-Stände von Anti-Drogen-Gruppen aus der Region. "Dieser Aufwand ist sinnvoll", erklärt Mitorganisator Stefan Ritschel von JES. "In Peine wächst der Bedarf an Aufklärung über Drogen stetig." An den Schulen seien Veranstaltungen von JES von Schüler- und Lehrerseite bereits so nachgefragt, dass die Selbsthilfegruppe nicht mehr alle Wünsche erfüllen könne.
"Dabei ist das Verhalten von allen Seiten vorbildlich", lobt der JES-Mitarbeiter, der die Klassen mit ehemaligen Abhängigen besucht. "Die Lehrer zum Beispiel lassen uns allein mit den Schülern reden. Hinterher hat es bis jetzt nur positive Rückmeldungen gegeben."
Gut ist auch die Resonanz über die Aufklärungsarbeit während des Konzertes. Tanja Bremer, Mitarbeiterin des Paritätischen Peine: "Es ist sehr gut, Zeichen zu setzen und Probleme, die viele angehen, bewusst in der Öffentlichkeit zu diskutieren." Und es werde deutlich, dass viele Hilfsorganisationen in Peine gut zusammen arbeiten.
Dass bestätigt auch Tschirner und kündigt an, dass es voraussichtlich nächstes Jahr ein weiteres Benefizonzert geben wird. Von Bernd Stobäus
Quelle: newesclick.de
Der Sprecherrat von JES ist am Freitag ebenfalls vor Ort gewesen und gratulierte JES Peine zur wirklich gelungenen Oranisation dieser Veranstaltung. Es wurde dort logistisch wirklich an alles gedacht. Umso trauriger, dass sich insgesamt leider recht wenige Besucher zu den Konzerten einfanden. Dieser Umstand war vermutlich nicht zuletzt auch gewissen Berührungsängsten den (Ex-)DrogengebraucherInnen gegenüber geschuldet.
Dennoch, oder gerade deswegen:
Lasst euch nicht unterkriegen und versucht es im nächsten
Jahr, wie offenbar bereits geplant, erneut; Dann, so mein rein pers. Tipp, vielleicht mit quantitativ etwas mehr -jedoch weniger tendenziell aktionistischer- Reklame im Vorfeld!
Mathias Häde
(Koordinator der JES-Westschiene)