11.02.2009
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Die aktuellen Geschehnisse vom letzten Wochenende mit der plötzlichen, nicht abgesprochenen Beendigung der Substitution von bis zu 400 Patienten durch einen niedergelassenen Bonner Kollegen machen eine intensivierte Zusammenarbeit notwendig um eine Sicherstellung der ambulanten Versorgung zu gewährleisten.
Zu den konkreten Ereignissen:
Am Samstag in der Mittagszeit (7.2.09) wurde die diensthabende Oberärztin der LVR Klinik Bonn von der örtlichen Polizei über folgenden Sachverhalt informiert: Um 9.30 sei es am heutigen Tage zu einer Menschenansammlung vor der Praxis eines niedergelassenen Arztes gekommen. Viele seien aufgebracht gewesen und man habe polizeilich die Lage deeskalieren müssen. Es sei mitgeteilt worden, dass der behandelnde Arzt ab sofort die Substitutionsvergabe einstellen würde. Für einzelne Patienten habe er Überweisungsscheine für andere Ärzte ausgestellt. Es seien aber bis zu 400 Personen betroffen. Für diese fehlt akut die substitutionsmedizinische Versorgung.
Über die diensthabende Oberärztin erfolgte die Information des Chefarztes der Suchtabteilung. Über den Inhaber der Flora-Apotheke konnte am Samstag Nachmittag die notwendigen Litermenge an Betäubungsmittel gesichert werden. Umgehend wurde zwei ärztliche und pflegerische Mitarbeiter aus dem Frei geholt. Die örtliche Polizei war in Sorge, das 400 nicht versorgte Drogenpatienten nicht nur medizinisch zu einem großen Problem werden könnten. Ich habe angeboten in den Räumlichkeiten des Casemangements der LVR-Klinik Bonn die Vergabe, in Zusammenarbeit mit dem VFG sicherzustellen. Wir haben dann in kürzester Zeit eine Art Notdokumentation entwickelt (immerhin geht es um die Vergabe von Betäubungsmitteln) und die Vergabe logistisch in den Räumen des Casemanagements aufgebaut. Am Sonntag haben dann die Mitarbeiter/innen der LVR-Klinik Bonn in Zusammenarbeit mit Kollegen vom VFG die Patienten neu aufgenommen und soweit vertretbar mit dem Substitut versorgt. Bis Sonntag Abend waren es ca. 130 Patienten. Am Mittwoch, dem 10.2.09 waren es bereits 200 Patienten.
Die Patienten aus dem Bonner Raum wollen wir so schnell wie möglich an die niedergelassenen Kollegen, dem VFG und an die Substitutionsambulanz Heerstraße über unsere Sozialarbeiter weiter vermitteln. Ich bin hier sehr um Ihre kollegiale Unterstützung und Aufnahme dieser Patienten. Zu den Krisengesprächen in der LVR Klinik Bonn haben wir neben den Gesundheitsämtern auch die Vertreter der örtlichen KV eingeladen als Ihre Repräsentanten. Ich persönlich vermute, dass es praktisch nicht schaffbar ist, in den nächsten Tagen alle Patienten zu vermitteln. In diesem Fall müssten wir die Patienten entweder ambulant oder stationär abdosieren mit den bekannten klinischen Konsequenzen.
Wir nutzen zur Zeit alle ärztlichen, sozialarbeiterischen und pflegerischen Ressourcen die wir haben und stehen kontinuierlich im Kontakt mit der Stadt Bonn, dem Psychiatriekoordinator des Rhein-Sieg Kreises, dem Gesundheitsamt, dem VFG, Caritas und Diakonie aus Bonn und Rhein-Sieg. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu regelmäßigen Krisenstabsitzungen nicht einzelne ärztliche Kollegen dazubitten, sondern die KV als Ihre offizielle Repräsentanz. Die aktuelle Krisenlogistik ist komplex genug. Ich möchte micht herzlich bei Dr. Jobst bedanken, der mir kurzfristig Ihre email Adressen zur Verfügung gestellt hat. Am Qualitätszirkel substituierender Ärzte am nächsten Montag werde ich teilnehmen und über die aktuelle Lage berichten. Ich möchte mich schon jetzt für die gute Unterstützung und Ihr Engagement bedanken und Sie bitten diese Informationen an andere ärztliche Kollegen, weiterzugeben.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. med. Markus Banger
Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie
stellv. Ärztlicher Direktor (komm.)
Chefarzt der Abteilung für
Suchterkrankungen und Psychotherapie
LVR-Klinik Bonn
Kaiser-Karl-Ring 20
53111 Bonn
F.: 0228-551-2316
FAX: 0228-551-2491